„Keule“ alias Sera und Claus mit Debüt-Album „Schnauze“
Na das ist doch mal ein krasser Wandel: Ex-Rapper Sera Finale tut sich mit Claus Capek, Ex-Mitglied der Band ohne Namen, zusammen und macht trashigen Party-Punk zum Abfeiern. Am 15.07. erscheint das erste Album von Keule aus der Hauptstadt.
„Ich hab Dich gestern Nacht auf Youporn gesehn“ ist wohl der eingängigste Titel der im Sommer 2010 gegründeten Zwei-Mann-Kombo und gleichzeitig das erste Release von Keule, bei denen es mächtig auf die Ohren gibt, und das auch mal unter der Gürtelline – Partymucke aus Berlin, irgendwo zwischen Mickie Krause und Die Atzen.
Sera minus Rap + Claus minus Schäm-Dich-Pop = Prollo-Party-Poesie
Sänger Sera Finale ist in der Berliner Hip-Hop-Szene durchaus ein Begriff. Hat er doch schon mehrere Formationen gegründet, einige Alben auf dem Kerbholz und sogar eine der Hauptrollen im Hip-Hop-Film „Status Yo! gespielt.
Eigentlich genau aus der anderen Ecke kommt Bühnenpartner Claus – aus der quietschbunten Kinderpop-Versenkung der End-Neunziger nämlich. Zunächst als „Die Allianz“ später als „Band ohne Namen“ verkaufte er damit aber immerhin ca. 1,7 Millionen Platten, war aber schon damals und ist es auch heute wieder der Musiker im hinter dem Frontmann der Band.
Keule: Verrückt oder genial?
Böse Zungen könnten also behaupten, die beiden seien aus Geldmangel eine Zweck-Ehe eingegangen. Schließlich fragt man sich, wie zwei Musiker so verschiedener Genres friedlich das Studio teilen können. Nun, man scheint sich sozusagen in der Mitte getroffen zu haben.
Keule – das ist recht harmlos erscheinender Party-Punk, der auf den ersten Eindruck eine seichte Mischung aus Comedy, Grölen und eingängigen Texten zu sein scheint. Doch bei genauerem Hinhören zeigt sich hier und da doch tatsächlich ein erstaunliches Sprachgeschick. Feierbiest Sera, der sich stets selbst auf seiner kleinen grünen Ukulele begleitet, kann man ein gewisses Talent zum Mitreißen auch nicht absprechen
Erste Single „Hallo Jesus“ – erstes 3D-Musik-Video
So ist auch die erste Single „Hallo Jesus“ eine vergleichsweise seichte „Mitsinghymne“. Gleichzeitig wird das Video zum Song als „Erstes 3D-Musikvideo der Welt“ angepriesen. Und siehe da – wer taucht denn da im Video auf? Die Toten Crackhuren im Kofferraum!
Hinter diesen „lauten“ Songs, die einen schon fast zu sehr anspringen und sich fast übers gesamte Werk ziehen, versteckt sich ganz hinten auf der Scheibe mein persönliches Juwel des Albums. Ganz ruhig und einfühlsam kommt „Heike 2“ daher. Der langsame Sprechgesang brilliert durch eine intelligent-verschachtelte Kette sprühenden Wortwitzes, der das Herz jedes Linguisten höherschlagen lassen muss.
Fazit: Lustig und leicht, aber auch schnell zu laut. Zum Feiern jedoch genau das Richtige.
