HipHop in Deutschland – Vom Spaß Rap zum Gangster Rap
Als sich HipHop und alles was dazu gehörte auch in Deutschland verbreitete, hatte die Jugendkultur zuerst eine eher kleine Anhängerschaft. Erst eine Gruppe aus Stuttgart machte den Sprechgesang im deutschsprachigen Raum populär.
Anfang der 1980er Jahre wurden auch die Jugendlichen hierzulande von der Breakdance- und Grafitti-Welle aus Amerika infiziert. Der HipHop entwickelte sich in verschiedenen deutschen Ortschaften zu einer eigenständigen Jugendkultur.
Die Deutschrap-Pioniere: Fanta 4
Jedoch führten die Anänger der HipHop-Kultur ein Außenseitendasein, da die Kultur ohne kommerzielle Ambitionen praktiziert wurde. Erst im Jahr 1991 schafften vier junge Stuttgarter mit HipHop-Musik und ihrem Album „Jetzt geht’s ab“ den Durchbruch im deutschsprachigen Raum. Die Rede ist von den Fantastischen Vier, die nun seit über 20 Jahren sehr erfolgreich sind und sich immer wieder neu erfinden.
Die Fantastischen Vier machen bis heute Spaß-Rap, der immer wieder in den Charts landet und angesagt ist. Jedoch war diese Popularität nicht immer so ausgeprägt. Denn die Stuttgarter Gruppe löste immer wieder heftige Diskussionen aus. Schließlich waren die Fantastischen Vier keine praktizierenden HipHopper, sondern hatten einfach nur Spaß am Sprechgesang, ohne den Grundgedanken, HipHop als Bewegung der benachteiligten Jugendlichen, explizit zu vertreten – vergleichbar mit den ähnlich umstrittenen Musik-Ausflügen des Schauspielers Will Smith als „Fresh Prince“ in den USA, der ebenfalls auf viel Gegenwind aus der Szene stieß . Aber die Fantastischen Vier setzten sich dennoch durch, legten eine unglaubliche Karriere hin und werden bis heute als Pioniere des deutschen Sprechgesangs bezeichnet.
Berliner Bösewichte – Aggro Berlin, Sido und Bushido
Anfang des 21. Jahrhunderts machte eine neue Genartion deutschsprachiger HipHopper auf sich aufmerksam, die aufgrund ihrer Härte immer wieder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wird.
So ist Berlin mittleriweile eindeutig die Hauptstadt des neuen deutschen HipHop. Es ist kein Zufall, dass Berlin in dieser Zeit vermehrt als sozialer Brennpunkt in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. So wurde zum Beispiel das Märkische Viertel (kurz MV) im Berliner Bezirk Reinickendorf durch den Rapper Sido in seinem Song „Mein Block“ neu inszeniert und zum „Place to be“, zum angesagten Geheimtipp hochstilisiert, wo es so richtig abgeht. Sido greift hier ein altes HipHop – Thema auf: Man kümmert sich nicht um die Szenerie auf dem Ku’damm, sondern feiert seine eigene Party dort, wo sonst keiner hin will.
Zu dem Erfolgslabel Aggro Berlin gehörten jedoch nicht nur Sido, sondern auch andere Skandal-Rapper wie Bushido, Fler oder B-Tight.Doch im April 2009 – nachdem Bushido das Label längst im Streit verlassen hatte – löste sich Aggro Berlin endgültig auf und es wurde etwas ruhiger um die Rapper aus Berlin. Nur Sido und Bushido können noch ab und zu einige Hits landen.
Gangster-Rap und Bad-Boy-Image
Jeder dieser harten Rapper bekam vom Plattenlabel ein aggressives Image verpasst, das für Skandale sorgt. Was zum finalen Image noch fehlte, waren provokante und diskriminierende Texte – der Gangster Rap war geboren. Die gefährlichen Typen verdrängten HipHop-Combos wie Absolute Beginner, Stieber Twins, Dynamite Deluxe, Eins Zwo, Fettes Brot, Blumentopf, Der Tobi und das Bo oder Fünf Sterne Deluxe aus den Charts und aus den Köpfen der Jugendlichen. Die Pioniere des deutschen HipHops ließen sich jedoch davon nicht unterkriegen und so arbeiten heute immer noch viele von ihnen an neuen Texten.
