9.11.2011

Neues K.I.Z.- Video: „Abteilungsleiter der Liebe“

Wenn K.I.Z. eine neue Single auskoppeln und dazu ein Video drehen, weiß man es wird originell, wie jetzt auch das neue Video zu „Abteilungsleiter der Liebe“

In „Abteilungsleiter der Liebe“ nehmen K.I.Z. den Zuschauer oder -hörer mit zurück ins Jahr 1987, als die deutsche Politiklandschaft von einem Skandal durchgerüttelt wurde, die von den Medien auch in Anlehnung an die Watergate-Affäre, Waterkantgate (Waterkant ist eine niederdeutsche Bezeichnung für Küste) genannt wurde. Das neue düstere K.I.Z.-Video, das sich auf genau diese Zeit in der deutschen Geschichte bezieht, passt sehr gut zu dem eigentlich recht traurigen Track aus dem Hip Hop Album „Urlaub fürs Gehirn.“

„Abteilungsleiter der Liebe“ – „auch wenn ich dich jetzt entlasse…“

1987, Landtagswahlen in Schleswig-Holstein: Die CDU, die seit 1950 ununterbrochen regiert hat, befördert sich in der Befürchtung, dass sie eine Wahlniederlage gegen SPD und Grüne einstecken wird, selbst ins politische Abseits. Der SPD-Kandidat, Björn Engholm, der für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiert, wird angefeindet. Wie sich später rausstellt, engagierte CDU Ministerpräsident Uwe Barschel den Journalisten Reiner Pfeiffer, vom Axel Springer Verlag. Pfeiffer startete in der darauffolgenden Zeit eine Vielzahl von Aktivitäten gegen politische Gegner der CDU. Er erstattete anonym Anzeige gegen Engholm wegen Steuerhinterziehung, ließ ihn von Privatdetektiven beschatten und denunzierte ihn auf eine Art und Weise, die die Politik bis dahin in Deutschland noch nicht gesehen hatte. So wurde von Engholms homosexuellen Umgang und ausschweifenden Affären mit Frauen berichtet. Zudem rief Pfeiffer Engholm an, gab sich als Arzt aus und behauptete er habe vertrauliche Informationen, dass Engholm an AIDS erkrankt sei.

„…auch in Zeiten der Krise, Abteilungsleiter der Liebe“

Das Lied behandelt auf intelligente Wiese tragisch-komisch Probleme und sinniert über die Mächtigen in der Wirtschaft- und Finanzwelt. Der Alltag 2011 wird beschrieben. Die Verlagerung der Unternehmen in billigere Länder („Wer von euch weiß was outzusourcen heißt, es bedeutet das ihr rausgeworfen seid“) und fallende Löhne („Wir hatten schwarze Zahlen, wir hatten rote Zahlen. Zum Abschied bekommt jeder einen Schokohasen“) werden thematisiert. Auch der dekadente Chef wird porträtiert, der auf dem Weg zur Arbeit Autoprobleme hat und obwohl er mit dem Auto redet wie David Hasselhoff, ihm dieses nicht helfen will („Doch mein Audi A6 will mir nicht helfen, eine Träne fällt auf die silbernen Felgen“).

Das Video

Im Video wird Uwe Barschel von Birol Ünel („Gegen die Wand“) gespielt. K.I.Z. bauen im Video auch die legendäre Pressekonferenz ein, auf der Barschel verkündet: „…gebe ich der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! – dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“ Ähnliches hat man später auch von Bill Clinton gehört. In der Realität wie auch im Video zieht Barschel sich in der Schweiz ins Hotel zurück, leert die Minibar, bestellt sich Prostituierte und schmeißt verschreibungspflichtige Medikamente ein. Am nächsten Morgen ist eigentlich ein Interview angesetzt, wird Barschel tot in der Badewanne gefunden. Bis heute ist nicht geklärt ob es sich um Mord oder Selbstmord handelte.

K.I.Z. haben wieder einmal ein Stück deutsche Gegenwartsgeschichte ausgekramt und auf ihre Art und Weise, wie ich finde erfolgreich, aufgearbeitet.

Ähnliche Artikel

Kommentar schreiben
Name

E-Mail (wird nicht veröffentlicht)

Webseite (optional)

Nachricht